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Anfänge in der römischen Antike
Aus der Geschichte der Kölner Juden


Im Jahre 321 erlaubt Kaiser Konstantin der Große in einem Dekret, dass der Kölner Stadtrat Juden auch zwangsweise in seine Reihen berufen kann. Dieses Dekret - als Abschrift im Vatikan erhalten - darf als "Geburtsurkunde" der Kölner Synagogengemeinde und wohl auch der gesamten deutschen Judenheit betrachtet werden. Wo sie gesiedelt haben, ist nicht bekannt. Siehe auch Seite “Publikationen”/ Spurensuche: Juden im römischen Köln.

Nach der Einnahme Kölns durch die Franken im 5. Jahrhundert wandern die Juden in die westlichen Gebiete des Römischern Reiches. Vermutlich gegen Ende des 9. Jahrhunderts lassen sich wieder Juden in Köln nieder, wo sie nahe dem Heumarkt siedeln. Sie errichten dort jene Gemeindebauten, die für ein jüdisches Leben Voraussetzung sind: eine Synagoge, eine Mikwe (Ritualbad), ein Hospiz, eine Bäckerei und ein Tanz- und Hochzeitshaus.

In dieses Quartier verlegen die christlichen Kölner ihr Rathaus, das im 12. Jahrhundert erstmals genannt wird. In unmittelbarer Nachbarschaft werden seit etwa 1130 von der damaligen Pfarre St. Laurenz die ersten Schreinsbücher geführt, in denen auch alle Grundstücksgeschäfte innerhalb des jüdischen Quartiers festgehalten werden. Sie dürfen als Vorläufer des deutschen Grundbuchs gelten.

Aber neben friedlichem Zusammenleben gibt es auch Zeiten blutiger Verfolgung. 1096 und 1349 wüten mörderische Pogrome gegen die jüdische Gemeinde. 1424 vertreibt der Stadtrat die jüdische Bevölkerung vollends aus der Stadt. Damit endet die mittelalterliche kölnisch-jüdische Geschichte innerhalb der Mauern des damaligen Köln. Unter dem Schutz des Erzbischofs siedeln sich Juden im rechtsrheinischen Deutz an; tagsüber dürfen sie innerhalb der Stadt ihren Geschäften nachgehen. Doch erst 1798, in der Franzosenzeit, dürfen Juden wieder in Köln ansässig werden.

Die jüdische Bevölkerung Kölns wächst bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf rund 8000 Menschen. Das reiche Kulturleben in der Stadt wird gerade von ihnen entscheidend mitgeprägt. Zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wohnen annähernd 20 000 Juden in Köln.

Am 9. November 1938 schänden und zerstören Nazi-Horden auch in Köln Synagogen sowie zahlreiche jüdische Wohnungen und Geschäfte. Mehr als 11 000 Kölner Juden werden während der Schoah von den Nationalsozialisten ermordet, den übrigen gelingt mit Not die Flucht in andere Länder. Es sind nur wenige Überlebende, die 1945 aufs neue eine jüdische Gemeinde in Köln gründen; 1959 können sie die wieder aufgebaute Synagoge in der Roonstraße einweihen.

Über die Jahrhunderte aber ist die Kenntnis von der Existenz eines mittelalterlichen Quartiers vor dem Rathaus nicht verloren gegangen. Zeugnis davon geben noch heute Straßennamen wie Judengasse und Laurenzgittergässchen.



321: Dekret Kaiser
Konstantins des Großen
an den Kölner Stadtrat
Um 1180: Die bis heute
gut erhaltene Mikwe, das
Ritualbad der Kölner Juden
Um 1270: Die Dombauhütte
fertigt einen Almemor/
Vorlesekanzel für die
Synagoge (Fragment)
1426: Nach der Vertreibung
wird die mittelalterliche
Synagoge zur Ratskapelle
umgewandelt
1827: Ansicht des
historischen Rathausplatzes
mit der Renaissancelaube
und der Ratskapelle
1861: In der Glockengasse
wird eine prächtige neue
Synagoge eingeweiht
1938: Auch in Köln werden
die Synagogen von den
Nationalsozialisten geschändet
1959: Symbol eines Neuanfangs:
Wiedereinweihung der Synagoge
in der Roonstraße
2005: Papst Benedikt XVI.
besucht die Kölner Synagoge
(im Bild mit Rabbiner Netanel
Teitelbaum)